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ID 17949

DAS FUNDAMENT DER EWIGKEIT


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Jahrgang: 2017

Verlag: Kosmos [->]
Autor: Michael Rieneck
Grafik: Michael Menzel

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2-4

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60-90

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ab 12


f5
Bewertung angespielt: 9.0 von 10
punkte

Score gesamt: 62.0% von 100
score
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Rezension

Ziel

Ken Follett komplettiert seine Trilogie, die nach Die Säulen der Erde und Die Tore der Welt ein würdiges Ende findet. Zeitgleich zum Roman erschien diesmal auch das entsprechende Spiel, das sich anschickt, die harten Glaubenskriege zwischen Katholiken und Protestanten im 16. Jahrhundert nachzuzeichnen.

Regeln

Gespielt wird in Runden, in denen der Startspieler nicht wechselt. Dabei wechseln sich Halbjahre ab, in denen unterschiedliche Dinge passieren, das meiste davon im Herbst/Winter. Dann nämlich darf man seine noch nicht benutzten ("freien") Würfel werfen und mit einem dieser eine der vier ausliegenden Personenkarten nehmen. Der Würfel wird anschließend auf die Karte gelegt und bestimmt die Zeitdauer in Jahren, die er zur Verfügung steht. (Gleichzeitig ist aber auch der Würfel belegt.) Jeder der vier Stapel gehört zu einem bestimmten Land (England = weiß, Spanien = braun, Frankreich = blau, Niederlande = orange) und kann nur vom gleichfarbigen Würfel genutzt werden.

Durch den Erwerb einer Person geschehen aber gleichzeitig noch mehrere Dinge: Erstens darf man ein Handelshaus mit Stärke gemäß Würfelwert in dem entsprechenden Land platzieren/verbessern, wobei gegebenenfalls Häuser der Mitspieler abgewertet werden, und zweitens wird dort ein Glaubensmarker (katholisch, evangelisch oder neutral) gesetzt. Diese Marker sind fest den Personen zugeordnet, sodass man jederzeit sehen kann, welche Glaubensrichtung in jedem Land durch die nächsten Personen gestärkt werden kann. Sobald vier dieser Marker anwesend sind, erfolgt eine Wertung, bei der alle Spieler, die der dort vorherrschenden Glaubensrichtung angehören, Punkte gemäß der Stärke ihrer Handelsniederlassung erhalten. Alle anderen gehen nicht nur leer aus, sondern müssen auch ihre Häuser dort entfernen.

Mit der Glaubensrichtung ist es im Prinzip ganz simpel: Entweder ist man Katholik oder Evangelist. Und zwar immer für eine bestimmte Anzahl Jahre lang (Wert des schwarzen Würfels). Nach Ablauf dieser (durch Aktionen beeinflussbaren) Zeitspanne darf man frei wählen, ob man konvertieren möchte, oder nicht. (Minderheiten werden in diesem Spiel zwar nicht gesondert geschützt, erhalten als kleinen Ausgleich allerdings jedes Jahr einen zusätzlichen Siegpunkt.)

Nachdem man sich nun also die Dienste einer Person gesichert hat, darf man mit einem nun noch freien Würfel auf der kleinen Aktionsleisten bis zum nächsten freien Feld gleicher Farbe weiterziehen (oder gegen Abgabe von Punkten noch weiter) und die dortige Aktion ausführen. Der Wert des hierfür genutzten Würfels spielt ausnahmsweise keine Rolle mehr. Der lilafarbene Würfel fungiert zwar bei der Personenwahl als Joker, auf der Leiste gibt es für ihn jedoch feste Felder.

In den ersten Jahreshälften (Frühjahr/Sommer) werden die Werte aller auf Karten befindlichen Würfel um 1 reduziert. Abgedankte Personen verlassen das Spiel dann Richtung Schachtel und der jeweilige Würfel wandert zurück zum Spieler. Alle verbleibenden Leute werden aktiv und führen ihre spezielle Aktion der Reihe nach durch. Verschiedene Händler sorgen für Warennachschub (Tuch, Erz, Wein, Bücher), die sich via Kapitän oder Aktionsleiste verkaufen lassen (2-4 Siegpunkte), Geheimdienstmitarbeiter wie Francis Walsingham beeinflussen die Glaubensrichtungen in beliebigen Ländern, andere Personen sorgen für Zusatzzüge auf der Aktionsleiste, feste Siegpunkte, Schutzplättchen (gegen Zufallsereignisse, die beim Aufdecken neuer Charaktere eintreten können), Eliminierung eigener Karten oder der Erhöhung/Verminderung eigener Würfelwerte. Die Partie endet mit dem Jahr, in dem ein Spieler 50 oder mehr Punkte erreicht.

Meinung

Bei der ersten Partie spaltet Das Fundament der Ewigkeit die Spieler in zwei Gruppen: solche, die sich gespielt fühlen, und solche, die die Würfelmanagement-Mechanismen einfach mögen. Erstere haben jedoch entweder das Problem, eine wichtige Regel/Aktionsmöglichkeit nicht beachtet zu haben, oder aber das Spiel noch nicht "lesen" zu können. Anstelle von festen Strategien, die man sich überlegt und denen man folgt, muss man hier nämlich eher auf die Gegebenheiten reagieren, also taktisch spielen. Das Fundament ist nämlich sehr abwechslungsreich, bestraft gleichzeitig aber auch krasse Spielfehler hart ab.

Den größten Fehler begeht man, wenn man mit ungeeigneten Karten gegen eine Überzahl von Glaubensgegnern antreten will. Dies gelingt nur, wenn man die Glaubenssteine stärker als die Mitspieler beeinflussen kann und die Anzahl der Steine in den Ländern und beim Nachschub entsprechend günstig scheint. Dann lassen sich schnell einige Handelshäuser der Konkurrenz killen, was für diese nicht nur einen schmerzhaften Verlust bedeutet, sondern gleichzeitig auch ordentlich Siegpunkte.

Andernfalls sollte man schnellstmöglich konvertieren. Entweder, indem man 3 Siegpunkte bezahlt, oder (besser) durch Würfelwertreduktion oder Neuwürfeln. Die Würfelmanipulationen stehen praktisch fast jederzeit auf der Aktionsleiste zur Verfügung. Wie in diesem Fall gilt aber auch generell, dass man sich gut überlegen sollte, welche Farbe man für diese Leiste aufheben will. Wer zu viele hohe Werte auf seine Karten legt, bekommt schnell ein Auswahlproblem.

In der Glaubensmehrheit kann man sich dagegen auf die Unterstützung durch die Mitspieler verlassen und friedlich Handelswaren sammeln. Lukrativ wird dies allerdings erst, wenn man die Waren auch verkaufen kann. Dies bedingt nicht nur keine bis wenig Verluste an Handelshäusern, sondern auch freie Felder auf der Aktionsleiste. Zu viert ist das Risiko dabei recht hoch und die Optimierung etwas mühselig. Abhilfe verschafft hier die Karte Kapitän, der Warenüberschuss zu ordentlichen Preisen konstant abbaut. Insgesamt erscheinen die Nicht-Warenkarten etwas stärker zu sein. (Habe ich aber beispielsweise ein sicheres Handelshaus in Antwerpen, lohnt sich die Beschaffung von Weinfässern, die sich dort teuer verkaufen lassen. Da hilft es dann nicht, einen William Cecil zu nehmen, denn dieser liefert nur Schriftrollen.) Generell empfehlenswert sind ansonsten auch noch die 2-Siegpunkte-Karten, bei denen man sich im Anschluss um gar nichts mehr kümmern muss.

Der von Michael Menzel wieder hübsch illustrierte Spielplan hätte auch etwas kleiner ausfallen können, da der Platzbedarf nicht so groß ist und die vier Kartenstapel ohnehin neben dem Plan abgelegt werden. Da der Plan aber wirklich gut aussieht und die Atmosphäre unterstreicht, stört dies keineswegs. Auch die Aktionsleiste wird in ihrer Ecke angemessen repräsentiert, da sie nicht der Kernmechanismus ist, sondern nur für Bonusaktionen dient. Bei schlechten Lichtverhältnissen können die Würfel allerdings teilweise schlecht unterscheidbar sein, da teilweise ähnliche dunkle Farben zum Einsatz kommen (dunkelblau, lila, braun).

Manchen Spieler sind die Wartezeiten zwischen ihren Zügen zu lang (bei Partien zu viert), was jedoch meist darauf zurückzuführen ist, dass sie das Spiel noch nicht "lesen" und ihre Handlungsoptionen nicht richtig einschätzen können. Andere Spieler erleben die rund 90 Minuten eher intensiv und kurzweilig. Unbestritten ist jedoch, das Das Fundament der Ewigkeit zu dritt und viert dynamischer ist (als zu zweit) und das Thema ausgezeichnet abbildet.

Fazit

Michael Rieneck gelingt es wieder einmal, mit einer überschaubaren Anzahl von Aktionsmöglichkeiten ein Feuerwerk an Handlungsoptionen abzubrennen, sogar noch intensiver, als dies bereits bei den Toren der Welt der Fall war. Bei diesem anspruchsvollen und herausfordernden Würfelmanagement müssen die Spieler immer wieder ihre Taktik den Gegebenheiten anpassen: Wie sieht es bei den aktuellen Religionsmehrheiten aus, welche Personen agieren und welche Konfession dominiert derzeit in den einzelnen Ländern? Da ist nicht nur die thematische Umsetzung vom Feinsten, auch der Spielmechanismus an sich ist sehr abwechslungsreich und spannend.


2017-09-25, Carsten Pinnow (cp)



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Bewertungen
9cp
19.09.2017
herausforderndes Würfelmanagement

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