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ID 15381

LEADERS - BRETTSPIEL UND APP


cover
Jahrgang: 2015

Verlag: Rudy Games [->]
Autor: Gertrude Kurzmann, Reinhard Kern und Manfred Lamplmair
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2-6

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90-480

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ab 12


Material: hochwertig
Komplexität: durchschnittlich
Kommunikation: durchschnittlich
Interaktion: sehr hoch
Einfluss: hochf5
Bewertung angespielt: 10.0 von 10
punkte

Score gesamt: 64.0% von 100
score
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Rezension

Ziel

Leaders ist vereinfacht gesagt "Risiko mit Tablet". Neben zahlreichen Detailunterschieden in Material und Regeln sind es vor allem die zusätzlichen Möglichkeiten der elektronischen Unterstützung, die für ein gänzlich neues Spielgefühl sorgen: geheime Forschung, Diplomatie, Spionage, Sabotage...

Regeln

Das grundsätzliche Erscheinungsbild ähnelt dem bekannten Risiko stark: eine in Kontinente unterteilte Weltkarte mit 42 Regionen, die zu Beginn mit einzelnen Infanteristen untereinander aufgeteilt werden. Damit enden die Gemeinsamkeiten dann aber auch schon fast. Die wichtigsten Unterschiede:

  • Jedes Land und jeder komplett kontrollierte Kontinent liefert Ressourcenpunkte. Die können eingesetzt (oder aufgespart) werden, um neue Einheiten zu erwerben, in verschiedene Forschungsrichtungen zu investieren, Diplomatie oder Spionage zu betreiben, oder an geheimen Missionen teilzunehmen.
  • Neu erworbene Dinge sind nie sofort verfügbar, sondern erst mehrere Runden später (Militäreinheiten: 1, Forschungsstufen: 2-4).  
  • Anstelle von 1er, 5er und 10er Einheiten gibt es drei verschiedene Gattungen (Infanterie, Panzer, Luftwaffe), die im Kampf mit unterschiedlichen Würfeln versuchen, Treffer zu erzielen. Ähnlich wie bei Axis & Allies geschieht dies gleichzeitig und der jeweilige Verlierer entscheidet darüber, welche Einheiten entfernt werden.
  • Die Informationen, welche Einheiten neu verfügbar sind und wie viele durch Sabotage zerstört werden, sind öffentlich. Alle anderen Details (Neuinvestitionen, Bündnisse, etc.) müssen den Mitspielern nicht verraten werden.
  • Nicht eingesetzte Einheiten verbleiben im "Basislager" und können nachträglich zur Verteidigung platziert werden, wenn ein eigenes Land angegriffen wird.
  • Zu Beginn eines Zuges werden alle überschüssigen Einheiten vom Plan ins Basislager beordert und können somit neu verteilt werden.
  • Während eines Zuges können sich alle Einheiten genau 1x in ein Nachbargebiet bewegen und dort kämpfen. Ketteninvasionen sind nicht möglich.
  • In jedem Land gibt es eine Einheitenbegrenzung, die seiner Ressourcenmenge entspricht. (In eine 3er Region können also maximal 3 Einheiten gesetzt/bewegt werden.)
  • Es gibt drei verschiedene Siegbedingungen, von denen eine erfüllt werden muss: eine bestimmte Ressourcenmenge unter Kontrolle bringen (Militär), alle Technologien erforschen (Wissenschaft), alle "Missionen" erfüllen
  • Verschiedene Szenarien beinhalten u.a. auch die Zwei-Spieler-Variante Ost gegen West (USA/UdSSR)
  • Mit der Wahl einer Nation erhält jeder zudem einen entsprechenden Anführer, der eine spezielle Sonderfähigkeit besitzt. Die chinesische Volksarmee sorgt somit für zusätzliche, kostenlose Infanterie, die deutsche Volkswirtschaft generiert zusätzliches Einkommen, die Russen besitzen verbesserte Spionagefähigkeiten.

Meinung

"Leaders" -das klingt im Deutschen sicherlich besser als die wörtliche Übersetzung. Für einen Risiko-Klon stellt sich jedoch die Kernfrage: Ist denn auch das Spiel besser als sein Vorbild? Lohnt sich die Anschaffung überhaupt? Was taugt die App? Kann man auch ohne sie spielen? Um die letzte Frage zuerst zu beantworten: Im Prinzip ja... (Radio Eriwan)... aber dann hat man wirklich nur eine besagte Kopie eines sehr bekannten Klassikers. Die App ist hier entscheidend, denn sie führt durch den Krieg und ermöglicht all die geheimen, teilweise gemeinen Dinge, die unbedingt vor den Mitspielern geheim gehalten werden müssen. 
 
An dieser App wurde lange entwickelt. Im Vergleich zu den unausgegorenen Versuchen mancher großer Verlage muss man hier jedoch attestieren, dass diese Zeit sinnvoll genutzt wurde. Auch wenn es noch ein paar Kleinigkeiten und Ungereimtheiten gibt, die noch etwas stören -denn sie sind nicht spielentscheidend. Zu diesen Kinderkrankheiten zählen unter anderem:

  • Die App faselt bei Zugbeginn etwas von "Dropzone", einem nirgendwo definierten Begriff, der vielleicht früher mal Bestandteil der Regeln war oder eventuell später mal eingebaut werden soll.
  • Die tatsächliche Aktionsreihenfolge (App-gesteuert) kann sich von der dokumentierten (Anleitung, Online-Anleitung, Online-FAQ) unterscheiden. So z.B. im Fall Truppensammeln und Ressourcenpunkte eintippen.
  • Am Ende der digitalen Verwaltungsschritte weist die App leider nicht darauf hin, dass es nun an der Zeit ist, Einheiten einzusetzen und zu bewegen (inkl. der daraus resultierenden Kämpfe), sondern verlangt unmittelbar nach dem nächsten Spieler. 
  • Da die App das Spiel nicht direkt kontrolliert, sondern nur unterstützt, ist menschliches Versagen beim Eingeben der Ressourcenpunkte ebenso möglich.
  • Aus demselben Grund kann es auch zu Unklarheiten kommen, welcher digitale Bündnisstand nun welche konkreten Dinge auf dem analogen Brett erlaubt oder verbietet. Dass man einen Verbündeten nicht angreifen kann, stattdessen aber in seinen Regionen Einheiten generieren darf, wird irgendwann mal irgendwo erwähnt, ein Nachschlagen ist jedoch enorm schwierig -und wahrscheinlich ohne Google nahezu unmöglich.
  • Desweiteren ist es eine Herausforderung, grundlegende Fragen zu klären. Beispielsweise: Wenn in Regionen von Bündnispartnern Einheiten erzeugt werden, dürfen diese dann dort bleiben? Und wenn ja, wie soll festgehalten werden, wem das Land gehört? Im Normalfall und mit wenigen solcher Situationen ist das natürlich kein Problem, aber nach mehreren Stunden bei unübersichtlicher Lage und wechselnden Machtverhältnissen und/oder Partnern können Fehler entstehen.

Glücklicherweise ebenfalls nicht entscheidend waren die regelmäßigen Abstürze, die die App auf dem Testgerät (iPad 2 Mini, gespielt in April und Mai 2016) hinlegte, da sie ihren Spielstand auf dem Server zwischenspeichert. Eine Onlineverbindung ist (derzeit) ohnehin zwingend notwendig. Ebenfalls erforderlich ist ein wenig Ausdauer, denn die zusätzlichen Aktionsmöglichkeiten am Computer erfordern zusätzliche Zeit. Zeit, die die anderen Nationen am besten durch lockere Gespräche, alberne Scherze und natürlich vor allem Provokationen und Überredungsversuche überbrücken. Wenn keine groben taktischen Fehler gemacht werden (und stets eine ordentliche Truppe in Reserve gehalten wird), dauert eine Partie leicht mal 4-6 Stunden.
 
Apropos Taktik: Mit unerfahrenen Gegnern ist ein militärischer Sieg (Ressourcenpunkte) am leichtesten zu erreichen. Andernfalls sollte sich mittelfristig eine frühzeitige Investitionen in die Forschung auszahlen. Und natürlich sollten die individuellen Vorteile eines Anführers nicht vergessen werden.

Fazit

Wer Konflikt- und Eroberungsspiele generell verabscheut, wird hier sicherlich nicht glücklich. Wer jedoch Risiko und/oder Axis & Allies mag, dürfte begeistert sein, denn Leaders setzt neue Maßstäbe in diesem Gebiet: Erstmals werden die Möglichkeiten eines Hybrid-Spiels vollständig ausgenutzt und das altbekannte analoge Welteroberungsszenario erfolgreich mit Elementen digitaler Entwicklungsspiele angereichert. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eins: jedem Spieler ein eigenes Gerät, über Bluetooth vernetzt, sodass gleichzeitig geplant werden kann.


2016-07-21, Carsten Pinnow (cp)



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Bewertungen
10cp
20.07.2016
Risiko für technisch Fortgeschrittene

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