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Magazin
Interview mit Juma Al-JouJou

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Clan-Boss Juma Al_JouJou

26.07.2018139

Nachdem der aufstrebende Spieleautor Juma Al-JouJou im letzten Jahr mit seinem Strategiehighlight Clans of Caledonia für Furore in der Vielspieler-Gemeinde sorgte, nahm sich die Redaktion von Angespielt.de diesen Erfolg zum Anlass, um ein ausführliches Interview mit dem sympathischen Berliner zu führen. Viel Spaß beim Lesen!

AN: Hallo Juma, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Mit Deinem zweiten Werk Clans of Caledonia ist Dir ein echter Volltreffer gelungen. Schon im Vorfeld zur SPIEL 2017 wurde das Spiel über den grünen Klee gelobt und das zu Recht. Kamen dieses immense Interesse und der Hype damals überraschend für Dich?

J: Dass die Kickstarter-Kampagne so erfolgreich werden könnte, konnte ich mir nicht vorstellen. Aber bereits vor der Kickstarter-Kampagne habe ich gemerkt, dass das Interesse an Clans of Caledonia immens ist und dass es ziemlich erfolgreich werden könnte. Das Ausmaß des Erfolgs war dennoch überraschend.

AN: Clans of Caledonia ist Dein zweites Spiel nach Green Deal. Ich persönlich empfand das Debüt als gutes Spiel, aber Caledonia ist der Durchbruch und eine gigantische Weiterentwicklung Deiner Autorentätigkeit. Clans of Caledonia hat Dich von Null auf Hundert in die Elite der (anspruchsvollen) Spieleautoren befördert. Wie fühlt man sich, wenn man in einem Atemzug mit Stefan Feld, Uwe Rosenberg und Alexander Pfister genannt wird?

J: Ich finde es natürlich schön, dass meine Arbeit honoriert wird. Die von dir genannten Autoren haben aber schon viele erfolgreiche Spiele entwickelt, da habe ich schon noch einiges zu tun, um da annähernd „gleich zu ziehen“. Mich betrachten jetzt viele mit ganz anderen Augen als vor dem Erfolg, dabei bin ich zu 99% der gleiche.

AN: Die Erwartungen der Spielergemeinde sind jetzt natürlich verdammt hoch. Inwiefern verspürst Du nun Druck, dass Deine nächsten Veröffentlichungen auch so erfolgreich werden?

J: Natürlich habe ich den Anspruch weiter erfolgreiche Spiele zu machen, denn das heißt, dass ich das Leben anderer in irgendeiner Weise verbessere. Die nachfolgenden Spiele müssen aber nicht unbedingt erfolgreicher werden. Der Wert meiner Person hängt nicht davon ab.

AN: Kommen wir nochmal zurück zu Caledonia. Viele Rezensenten haben das Spiel mit Terra Mystica und Marco Polo verglichen. Teilst Du diese Meinung und wie würdest Du Clans of Caledonia selbst beschreiben?

J: Ich hatte in der Kickstarter-Kampagne selbst geschrieben, dass es Ähnlichkeiten mit diesen beiden Spielen aufweist. Das besondere an Clans of Caledonia ist, dass es eine Mischung aus Engine-Building (Strategie) und Wirtschaftsspiel (eher taktisch) ist, was sehr gut funktioniert.

AN: Was mir unter anderem sehr gut gefallen hat, ist die Balance der einzelnen Clans. Meiner Meinung nach haben alle Clans ausgeglichene Vorteile, obwohl deren Vorzüge gänzlich unterschiedlich sind. Siehst Du das auch so oder gibt es im Nachhinein einen Clan, den Du als zu mächtig herausheben würdest?

J: Ich habe wirklich sehr viel Aufwand in das Balancing der Clans gesteckt, daher freut es mich ganz besonders, dass du die Balance der Clans hervorhebst. So habe ich monatelang nichts anderes gemacht, als alle Clans immer wieder mit den besten Testspielern zu testen. Dies gab mir einige Daten, die ich in Excel ausgewertet hatte. Die Durchschnittspunkte aller Clans waren sehr nah beieinander. Aber natürlich hat jeder Spieler einen spezifischen Spielstil zu dem manche Clans besser passen als andere.

AN: Hast Du eigentlich einen Lieblingsclan, den Du am liebsten spielst?

J: So oft spiele ich Clans of Caledonia gar nicht mehr, leider. Für mich ist es wichtig viele neue Spiele zu spielen. Aber ich mag den Clan McEwen ganz besonders, da er thematisch und anspruchsvoll zu spielen ist.

AN: Einige Spieler denken, dass ein Spieleautor in seinem eigenen Spiel quasi unschlagbar ist, weil er ja (mutmaßlich) alle Kniffe kennt. Ist das so? Wie ist Deine Erfolgsquote, wenn Du mit starken Mitstreitern spielst?

J: Natürlich bin ich ein starker Spieler in Clans of Caledonia, aber nicht nur weil ich es erfunden, sondern vor allem deshalb, weil ich es sehr häufig gespielt habe. Die besten 2-3 Testspieler waren aber ebenbürtige Gegner und unsere Partien waren immer sehr umkämpft, wir haben oft sogar mit Timer/Schachuhr gespielt. Solche Partien liebe ich sehr!

AN: Eine Frage zu Caledonia muss noch kommen: ist eine Erweiterung zum Spiel geplant?

J: Ich arbeite gerade an einer Erweiterung. Gerade bei einem Spiel wie Clans of Caledonia ist es eine Herausforderung die Erweiterung so auszutarieren, dass sie die bestehende Balance des Grundspiels nicht gefährdet. Daher lass ich mir damit Zeit. Ich möchte nicht auf die Schnelle eine halbgare Erweiterung veröffentlichen, nur weil das für die Vermarktung sinnvoll wäre.

AN: Jetzt mal eine allgemeine Frage. Wie gut kennen sich die deutschen Spieleautoren eigentlich gegenseitig? Habt Ihr persönlichen Kontakt? Ich weiß zum Beispiel, dass Du genau wie Sophia Wagner (Noria) in Berlin wohnst. Beide seid Ihr junge und aufstrebende Autoren. Trefft Ihr Euch manchmal und wird es vielleicht sogar irgendwann eine Zusammenarbeit geben?

J: Natürlich kennen wir Berliner Spieleautoren uns alle. Der Kontakt besteht vor allem am montäglichen Stammtisch, den ich aus terminlichen Gründen leider nicht wahrnehmen kann. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass der Kontakt der Berliner Spieleautoren nicht so eng ist, wie er sein könnte. Ich weiß nicht genau warum. Vielleicht liegt es daran, dass Berlin eine so große Stadt ist und die Wege oft weit.

AN: Karma Games ist Dein eigener Verlag, bei dem Clans of Caledonia und auch Green Deal erschienen sind. Wie bist Du auf die Idee gekommen, einen eigenen Verlag zu gründen? Wie schwierig ist das und lohnt sich der Aufwand?

J: Ich bin ein unternehmerischer Typ, der u.a. auch Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre studiert hat, daher drängte sich der Gedanke natürlich auf. Dass die Spieleverlage sich nicht gerade um Clans of Caledonia gerissen haben und ich mich von ihnen wenig Wert geschätzt gefühlt habe, machte die Entscheidung noch leichter. Vor dem Erfolg von Clans of Caledonia hätte ich klar gesagt, dass sich der Aufwand wirtschaftlich nicht lohnt. Jetzt lohnt er sich, aber ich habe auch viele Jahre darauf hingearbeitet. Mit einer Karriere in einem Konzern hätte ich vielleicht noch mehr verdienen können, aber das wäre nicht mein Ding gewesen. Für die Gründung eines eigenen Spieleverlags sollte man viel Frustrationstoleranz und Geduld mitbringen. Der Erfolg kommt selten über Nacht.

AN: Willst Du irgendwann auch mal „fremde“ Spiele mit Karma Games veröffentlichen oder ausschließlich Eigenproduktionen? Gibt es schon Anfragen von anderen Autoren?

J: Einzelne Anfragen erhielt ich tatsächlich schon. Natürlich möchte ich auch Spiele anderer Autoren veröffentlichen. Je bekannter und erfolgreicher Karma Games wird, desto leichter sollte es werden gute Spiele namhafter Autoren veröffentlichen zu können. Meine eigene Zeit ist natürlich auch begrenzt. Daher würde ich das Wachstumspotenzial von Karma Games unnötig einschränken, wenn ich nur meine eigenen Spiele veröffentlichen würde. So möchte ich gerne zeitnah 1-2 Mitarbeiter einstellen und damit die genug zu tun haben müssen genügend Spiele in der Pipeline sein.

AN: Kommen wir langsam zum Ende dieses Interviews. Wie sind Deine Pläne für die Zukunft? Hast Du vielleicht sogar schon ein neues Spiel in der Pipeline?

J: Ich arbeite an der Erweiterung zu Clans of Caledonia, an einem Spiel zum Thema Stromnetz und an einem Whisky-Destillerie Spiel. Hoffentlich finde ich bald 1-2 geeignete Mitarbeiter mit deren Hilfe ich mehr Spiele pro Jahr veröffentlichen kann.

AN: Möchtest Du den Lesern zum Abschluß noch etwas sagen, das Dir am Herzen liegt?

J: Im Spiel können wir Aspekte der Welt und auch uns selbst experimentell neu entdecken. Bewahrt euch eure Neugier!

AN: Wir danken für das Gespräch!


26.07.2018, Wolfgang Volk (heavywolf)

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